Hessische Landesregierung sperrt Radfahrer aus!

Diskriminierte Waldbesucher formieren sich zum Widerstand

Die Hessische Landesregierung will mit einem neuen

Waldgesetz das Radfahren in Hessen massiv einschränken, berichtet die

Deutsche Initiative Mountain Bike e.V.. Der Gesetzentwurf erlaubt Radfahren nur

noch auf Wegen, die „ganzjährig mit einem zweispurigen, nicht geländegängigen

Kraftfahrzeug befahren werden können“.

 

Thomas Kleinjohann, Erster Vorsitzender des 47.000 Mitglieder starken

Radsportverbandes DIMB e.V., ist verärgert: „Die allermeisten Radfahrer

benehmen sich vernünftig im Wald. Es ist nicht akzeptabel, dass die hessische

Regierung nun flächendeckend für alle das Radfahren auf über 75% der

hessischen Waldwege verbieten möchte! Und es ist schlichtweg falsch, dass das

Fahren auf schmaleren Wegen jetzt bereits gesetzlich verboten sei. Die ständige

Wiederholung dieser Behauptung macht sie nicht wahrer.“

„Wir empfehlen der Landesregierung, sich mal mit der Rechtsprechung zur

derzeitigen Gesetzesformulierung „fester Weg“ zu befassen. Damit ließen sich

irreführende Aussagen in der Öffentlichkeit vermeiden“, ergänzt Helmut Klawitter,

Rechtsreferent der DIMB.

Aber nicht nur Mountainbiker, sondern auch alle anderen Waldbesucher sollen mit

dem neuen Waldgesetz in ihren Rechten auf Erholung im Wald eingeschränkt

werden. Geht es nach der Landesregierung, bedürfen Waldbesucher, die „zu

mehreren Personen“ und „zu einem gemeinsamen Zweck“ den Wald betreten

wollen, hierzu künftig, unter nicht näher bezeichneten Umständen, der

Genehmigung des Waldbesitzers. Helmut Klawitter dazu: „Hessen fällt hier in ein

feudales Herrschaftssystem des 18. Jahrhunderts zurück. Jeder, der mit Familie

und Freunden in den Wald gehen möchte, ist hiervon betroffen und sollte sich

gegen diese abstruse Einschränkung zur Wehr setzen!“.

Die DIMB tritt seit ihrem Bestehen für eine natur- und sozialverträgliche

Sportausübung ein. So wurden mit den „DIMB Trail Rules“ Benimmregeln

geschaffen, die zunehmend an Akzeptanz gewinnen. Solchen Benimmregeln

folgen, so Thomas Kleinjohann, mittlerweile über 90% der Biker. „Unsere erfolgreichen

Bemühungen für ein vernünftiges Miteinander würden mit den neuen

Regelungen zunichte gemacht, da die Biker nun generell in die Illegalität gedrängt

und damit sozusagen zum Abschuss freigegeben werden“, so Kleinjohann weiter.

Bußgelder von bis zu 100.000 Euro drohen bei Verstößen gegen das Wald-

Betretungsrecht . Bereits heute sind in Hessen Bußgelder von 200 bis 600 Euro

wegen des Befahrens angeblich unzulässiger Wege aktuell. Aus Sicht der DIMB

absolut unverhältnismäßig, da beispielsweise das gefährliche „Wenden auf

der Autobahn mit einem Kfz“ mit vergleichsweise geringen 200 Euro geahndet

werde.

Die DIMB strebt mit ihrer Kampagne „Open Trails Hessen“ nicht nur eine

Verhinderung des geplanten Gesetzes an, sondern wird auch konkrete Vorschläge

für juristisch und praktisch umsetzbare Lösungen in die Verhandlungen zur

Gesetzesnovelle einbringen. „Unsere Vorschläge basieren auf Konzepten, die in

anderen Bundesländern bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Hessen sollte die

sich nun bietende Chance ergreifen und bestehende gesetzliche bzw.

bürokratische Hindernisse durch wirksame Regelungen ersetzen. Regelungen, die

ein besseres Miteinander im Wald tatsächlich ermöglichen“, fordert Helmut

Klawitter die Landesregierung zum Umdenken auf.

Zur Untermauerung der Forderungen führt die DIMB die Kampagne „Open Trails

Hessen“ mit einer Online-Petition, Unterschriftenlisten, Flyern, Plakaten, auf

Facebook und mit einer Demonstration vor dem Hessischen Landtag durch.

„Gut, dass wir mit dem Hessischen Radfahrerverband, dem ADFC, den

Interessenvertretungen der Reiter sowie Sektionen des DAV starke

Kooperationspartner an unserer Seite haben. Das erhöht unsere Chancen, als

Radfahrer endlich Gehör in Verwaltung und Politik zu finden“ blickt Kleinjohann

ansatzweise zuversichtlich in die Zukunft.


Weitere Informationen auf www.dimb.de

 

Quelle dimb