Es gibt wundervolle Länder, tolle Landstriche und grandiose Ortschaften, die man mit dem Bike erkunden kann. Aber manchmal ist es nur ein einziger Weg, der sich in dein Gehirn brennt. Es ist der Trail, den du in Gedanken nachfährst, wenn du zuhause sitzt, der einmalige Trail, der an kalten Wintertagen deine Lust am MTB stillt, der unbeschreiblich schöne Trail, der dir Glücksgefühle beschert, wenn du ihn fährst. Es ist der Trail, der durch deine Träume geistert, der Trail, auf dem du dich lebendig wie nie fühlst, dieser Trail ist der Grund, warum du Mountainbike fährst.
Von solchen Traumtrails handelt diese Serie.
Der Hacklberg-Trail in Saalbach Hinterglemm
Land: Österreich
Ort: Saalbach Hinterglemm
Länge: 5,5 Kilometer
Schwerpunkt: XC/ Trail/ Enduro/ DH
Schwierigkeitslevel: leicht
Gespannt und aufgeregt stehe ich im Herzen von Hinterglemm vor dem Bikehotel Conrad. Hier ist der Treffpunkt, hier soll ich Reini und Katrin treffen, meine beiden Guides für den heutigen Tag. Doch noch ist weit und breit niemand zu sehen. Wann kommen die beiden nur? Ich werde immer nervöser, denn schließlich soll es heute auf einen der besten Trails der Alpen gehen, den Hacklberg-Trail. Dieser liegt oberhalb von Saalbach Hinterglemm, einem kleinen Ort in Österreich, dessen Name den meisten Mountainbikern ein Begriff sein dürfte. Denn wohl kaum ein zweiter Ort in den Alpen hat in der Vergangenheit soviel für Mountainbiker getan und bietet solch traumhafte Möglichkeiten: Phantastische Trails, ein spektakulärer Bikepark, geführte Touren, große MTB-Events, auf Biker spezialisierte Hotels, ein ausgedehntes Netz an Bergbahnen - die ganze Region ist absolut bikeverrückt.„Servus!” erklingt es plötzlich hinter mir. Ich drehe mich um und sehe Reini und Katrin auf mich zukommen, beide in allerbester Stimmung. Bikeguide Reini sitzt auf einem Carbon Hardtail, Katrin fährt ein 140mm Trailbike, genau wie ich.
Wir fahren los, die Glemmtaler Landestraße führt uns von Hinterglemm nach Saalbach. Nach drei Kilometern kommen wir an der Talstation des Schattberg X-Press an. Schnell sind unsere Bikes in den Kabinen verstaut und mit Panoramablick geht es mit der Bergbahn aufwärts.
„Das Schöne am Hacklberg-Trail ist, dass ihn jeder fahren kann,” erklärt mir Reini beim hochgondeln mit leuchtenden Augen, „es ist egal, was du für ein Rad fährst, ein Hardtail mit 80mm Federgabel macht genau soviel Spaß wie ein Downhiller mit 220mm. Wenn du mit einem Tourenrad unterwegs bist kannst du herrlich durch die Landschaft cruisen, wenn du auf einem Downhiller sitzt kannst du doppelt so schnell fahren und es ordentlich krachen lassen!”

Die Fahrt dauert nur wenige Minuten, und ehe wir uns versehen, sind wir in einer Höhe von 2020 Metern auf dem Schattberg angekommen. Wir verlassen die Gondel, schwingen uns auf die Bikes und donnern eine breite Schotterstraße hinunter. ‚Soll das etwa der legendäre Hacklberg-Trail sein? ‘ denke ich verwundert. Reini scheint meine Gedanken zu ahnen und klärt mich auf. „Der Trail startet am Westgipfel, wir sind hier leider am Ostgipfel! Wir müssen nochmal ein kurzes Stück steil bergauf!”
Wenn ein Österreicher tatsächlich einmal das Wort „steil” in den Mund nimmt, dann kann man sich er sein, dass diesem Wort ein Paradebeispiel in Sachen Steilheit folgen wird. Obwohl wir uns auf einer hervorragend gepflegten Versorgungsstraße befinden schwenke ich auf der Hälfte des Weges die weiße Fahne und beschließe zu laufen. Zum Glück ist der Anstieg nicht sonderlich lang, und schon bald liegt er vor uns: der Hacklberg-Trail.
Der erste Abschnitt präsentiert sich noch als Schotterweg, der sich durch einen Grashang zieht, doch kurz nach dem Abbieger Richtung Hacklbergalm gilt es einen Weidezaun zu passieren, und der Trail zeigt endlich sein wahres Gesicht: moderate Kurven mit unendlich viel Flow, der Untergrund griffig und glatt wie ein Babypopo, der Weg weit einsehbar ohne blinde Kurven, gespickt mit einem perfekten Gefälle bergab! Dürfte ich einen Singletrail bauen, er würde exakt so aussehen. Wir zischen los, den Hang zur linken, das Tal zur rechten, vor uns ein atemberaubender Ausblick. Kurve folgt um Kurve, Mensch, Bike und Weg verschmelzen zur perfekten Einheit, ein unendlicher Pumptrack der kaum Kraft kostet. Mit surrenden Reifen passieren wir einen kleinen Tümpel, die grandiose Natur gibt uns nochmal einen Extra-Kick.

Der Weg ist technisch sehr einfach zu fahren, und genau das macht auch den besonderen Reiz aus. Es ist wie das surfen auf einer stehenden Welle, der Körper dirigiert das Rad, links - rechts - hoch -runter - alles fließt, nur befinden wir uns hier nicht im Meer sondern in den Bergen!
Nach rund zwei Kilometern erreichen wir die Hacklbergalm. „Grandios!” rufe ich Reini und Katrin zu, „und das sollen nur zwei Kilometer gewesen sein?” „Ja”, entgegnet Katrin, „aber mir kommt es auch immer viel länger vor. Wahrscheinlich, weil es soviel Spaß macht!”
Der letzte Teil der Abfahrt steht noch bevor. Über eine breite Schotterstraße rauschen wir ins Tal, immer wieder tauchen links von uns kleine Geländeabkürzungen auf, die steil hinab gehen und ein Stück weiter unten wieder auf die Straße führen. Wir bevorzugen es, mit Speed auf der Straße zu bleiben, und viel zu schnell erreichen wir wieder das Zentrum von Hinterglemm.
Tatsächlich hat man mir nicht zu viel versprochen - der Hacklberger ist einer der besten Trails, den ich jemals gefahren bin. Und es ist wirklich egal, mit welchem Bike man unterwegs ist. Der Weg ist so gut gepflegt, dass er kaum Ansprüche an die Federung stellt. Wer in Saalbach Hinterglemm mit dem Bike unterwegs ist und diesen Trail nicht fährt, hat definitiv etwas verpasst. Genauso wie alle, die noch nie in Saalbach Hinterglemm waren. Ich verpasse mir auf der Stelle eine zweite Dosis Hacklberger und düse von Hinterglemm direkt weiter nach Saalbach. Neben mir Reini und Katrin, vor mir die Talstation des Schattberg X-Presses und ein wahrer Traumtrail!
Den Hacklberg-Trail gibt hier als GPS-Track zum downloaden:
hackelbergtrailtrk.zip
hackelbergtrailgpx.zip
Weitere Infos zum Thema GPS unter www.garmin.de